Ideenmanagement - die Basis für Innovation

Donnerstag, 22.04.2004, 2:00

"Ideenmanagement-Systeme brauchen Promotoren auf allen Ebenen"

Dies war eine der Kernaussagen der Vortragenden am 1. Forum Innovation und Produktentwicklung am 22. April 2004 in Amstetten. Etwa 100 Teilnehmer aus Wirtschaft, Forschung und Bildung folgten der Einladung der Plattform für Innovationsmanagement und nützten die Gelegenheit für einen Erfahrungsaustausch.

Ideenmanagement-Systeme bilden heute bereits einen integralen Bestandteil des Innovationsmanagement vieler Unternehmen. Sie stellen eine Weiterentwicklung des internen Vorschlagswesens dar, gehen jedoch in der Zielsetzung einen Schritt weiter.  Waren früher vor allem Ideen gefragt, um Kosten einzusparen und Fehler zu vermeiden, zielt modernes Ideenmanagement zunehmend darauf ab, neue Geschäftsideen hervorzubringen, sowie Produkte und Prozesse weiter zu entwickeln.

Erfolgsfaktoren

Die Implementierung eines lebendigen Ideenmanagements erfordert vor allem die vollinhaltliche Unterstützung durch die Geschäftsführung. "Mitarbeiter spüren sofort, wenn Initiativen vom Management nur halbherzig mitgetragen werden", meinte Ernest Fuhrmann, Ideenmanager von Voest Alpine Industrieanlagenbau. Genauso wichtig sei, dass Promotoren vor Ort als Ideencoaches und Ansprechpartner fungieren, damit das System auf allen Ebenen unterstützt wird und lebendig bleibt. "Bei großen, komplexen Ideen brauchen die Ideenträger auch unmittelbar Entlastung durch ein Projektteam, das sich mit der weiteren Ausarbeitung und Umsetzung beschäftige", betonte Gerhard Drexler, Leiter des Competence Center Innovation von Neusiedler.

Bei guter Verankerung und Akzeptanz können bis zu 1 Idee je Mitarbeit und Monat generiert werden. Qualität und Quantität sind hier einander ergänzende Faktoren. Um besondere (radikale) Ideen hervorzubringen, brauche es die Wertschätzung vieler kleiner Verbesserungsideen, nur so bleibe eine Organisation in Übung und das Ideenmanagement werde Teil des Unternehmensalltags, erklärten die Ideenmanager von VAI, Doka und Neusiedler übereinstimmend.

Weitere Erfolgsfaktoren seien die rasche Rückmeldung an die Ideenbringer, wie die Idee weiter verarbeitet wird und Prämiensysteme, die sich an den jeweiligen lokalen Verhältnissen orientieren. Bemerkenswert hier auch die Aussagen der Vortragenden, dass nicht-monetäre Prämierungen die nachhaltigere Motivation für die Mitarbeiter darstellen. An die Stelle bzw. als Ergänzung von Geldprämien treten vielfach Gruppenevents, wie ein Faß Bier für die Abteilung, das vom Geschäftsführer angeschlagen wird, ein bezahlter Ausflug oder auch ein Gesprächstermin bei der Geschäftsleitung, in dem die Ideenbringer Gelegenheit bekommen ihre Anliegen und Sichtweisen direkt darzulegen.

Der Ideenmanager von Doka-Industrie, Raimund Mauritz, erörterte die  Problemstellung, der Förderung und Bewertung ungewöhnlicher (radikaler) Ideen. Diese würden allzu rasch als "Spinnerei" abgelehnt, bei genauerer Betrachtung ergäben sich jedoch oft genau daraus Ansätze für eine Weiterentwicklung von Produkten, Dienstleistungen oder Verfahren. Doka erprobt zur Zeit ein neues System der Potentialbewertung von Ideen, in dem mit vertretbarem Aufwand die "Trüffeln" identifiziert werden sollen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde betont, dass jede Organisation unter Berücksichtigung ihrer Kultur, Größe und Struktur eine für sich geeignete Form des Ideenmanagement  entwickeln muss. Zwar können einzelne Elemente von anderen Firmen übernommen werden, die direkte Übertragung von ganzen Prozessen oder EDV-Systemen funktioniert im Ideenmanagement jedoch nicht.

Bilder